Es muss nicht immer Malle sein……..
Sardiniencross von Palau nach Geremeas
In den letzten beiden Jahren habe ich mich in Mallorca auf die Saison vorbereitet. Im Sommer war dann eine MTB-Tour an der Reihe. Dieses Jahr läuft es genau anders herum. Schon im letzten Jahr habe ich mich mit dem Tourenheft von Engiadina & Himalayatours beschäftigt….Sardinien hatte es mir angetan…viele Singletrails und Naturstraßen stand in der Tourenbeschreibung.
Im Januar habe ich mich für die Reise angemeldet. Doch wie komme ich nach Zürich? Mit der Bahn und dem Nachtzug ? Nein danke….schlechte Erfahrungen mit dem Bike im Zug. Also mit dem Flugzeug…. geht schneller und der Preis stimmt auch. Die Packliste ist lang: Schaltauge und Ersatzbremsbeläge habe ich nicht benötigt…dafür standen Föhn, Ohrstöpsel und Regenüberschuhe an erster Stelle. Da die Räder in Thalwil auf dem Anhänger verladen werden, habe ich nur Rahmen und Gabel mit Dämmmaterial versehen.
Beim Einschecken am Terminal wurde der Karton vermisst. Nach einem Blick auf die Rahmenverkleidung und dem Senken des Reifendrucks konnte das MTB auf das Gepäckband. Die Landung ist sanft und der Weg zum Bahnhof kurz. Dafür steht eine Menschenschlange am Schalter. Da ich Zeit genug habe, macht mit das nichts aus. Ich komme als erste am Bahnhof in Thalwil an.
Nach und nach treffen die anderen Mitbiker, unser Guide Claude und zum Schluss Christian mit dem roten
www.mountainbikereisen.ch Bus ein. Neun Schweizer, eine Österreicherin und ich, die Flachlandtirolerin wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht, was sie erwartet!
Die Mountainbikes werden auf einem speziellen Anhänger verladen, das Gepäck findet Platz im Laderaum unter den Bikes. Gegen 11 Uhr starten wir in Richtung Zug. Auf einem Parkplatz steht noch ein Biker, der zweite Rolf. Er fährt ein MTB mit einer Leftigabel, das auf dem Dach verstaut wird. Nun geht die Fahrt weiter am Vierwaldstädter und Luganer See entlang in Richtung Bellinzona. Dort machen wir den ersten Stopp, den zweiten irgendwo in den Apeninnen. Unsere Fahrt führt uns auch durch die Toskana, ein schönes Reiseziel um sich auf die Rennradsaison vorzubereiten. Um 19 Uhr treffen wir in Livorno ein. Am Fährhafen wartet Danja auf uns. Nun ist die Gruppe komplett und wir können einschiffen. Fünf Personen sind entschlossen mit dem Schlafsack an Deck zu übernachten. Leider sind die versprochenen Liegesessel nicht vorhanden und es wird doch in der Kabine mehr oder weniger gut geschlafen.
Um 6 Uhr werden die Reisenden geweckt, denn ab 7 Uhr sollen wir von Bord gehen. Auf dem Oberdeck weht ein frischer Wind, die sardische Küste ist in Sichtweite….die Erwartung steigt als wir in Golfo Aranci von Bord gehen. Bis Palau ist es noch eine Stunde zu fahren. Wir sehen viel Macchia und gelben Ginster so weit das Auge reicht. Am Freizeithafen in Palau machen wir unsere Bikes startklar. Auf der Sardinienkarte zeigt uns Christian den Routenverlauf ….erste Fotos…..und endlich nehmen wir unsere erste Mahlzeit ein. Es kommen nicht jeden Tag 14 Personen zum Frühstücken, aber die Damen hinterm Tresen lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Endlich kommt der Kaffee, ein Blick in die Tasse….es ist nur wenig darin…Espresso. Von da an bestellen wir Cappuccino. Einigermaßen gestärkt treten wir die erste Bikeetappe an. Christian fährt mit dem Navi voran. Er führt uns aus Palau heraus und biegt später links in einen Feldweg ab. Gatter werden auf und zu gemacht, wir sind mitten in der Natur. Wir folgen dem Fiume Liscia und sehen den Stausee Lago Liscia. Ein Naturweg ist schön eben, da kommt uns eine Planierraupe entgegen um einen steinigen Belag zu verteilen. Schieben ist angesagt, am Rande der Piste. In Saint Antonio de Gallura steht der rote Mountainbikereisen-Bus am Dorfplatz. Claude wartet mit lecker belegten Sandwich, Obst und Getränken auf uns. Nach der Mittagsrast folgt der zweite Teil des Tages. Wir folgen dem „Trenino-Trail“, einer alten stillgelegten Bahntrasse. „Ihr müsst etwas aufpassen, meint Christian, im letzten Jahr kam einmal ein Bauwagen vorbei.“ Kilometerlang fahren wir auf dem schmalen Trail, rechts geht es ein paar Meter abwärts. Volle Konzentration, Steine müssen umfahren werden, ein Fotostopp und schon wird man überholt. In Calangianus wo ein alte Bahnhofsgebäude steht wartet die Gruppe auf die letzten. Das Ende der Trasse ist in Sicht und wir haben wieder Asphalt unter den Rädern. Ein Straßenschild verkündet bis Nuchis noch 1 km.
Palau – Nuchis → 56 km → 1002 hm → 4,07 Std. → Schnitt → 13,5 km/h
Der zweite Tag beginnt mit einer Buspassage. So kalt und dann noch Regen in Sicht, dass will uns Christian nicht zumuten. Die Guides haben die Räder am frühen Morgen verladen. Der Monte Limbara wird auf vier Rädern umrundet. Das gefällt Fritz gar nicht. Von einer Busetappe stand nichts in der Reisebeschreibung.
Wir sind einige Zeit unterwegs, da passiert es…..der Regen trifft ein. Das kommt mir bekannt vor, bei anderen Bikereisen hat es oft am zweiten Tag geregnet. Auf der rechten Seite erblicken wir den Lago del Coghines.
In der Ebene angekommen halten wir. Den nächsten Berg müssen wir per Pedal erklimmen. Mit MTB und Regenkleidung stehen wir für ein Foto bereit. Rolfs Panne verzögert unseren Start ein bisschen. Pannenhelfer Claude tritt in Aktion und dann können wir fahren. Nach kurzem Einrollen zwingt uns ein kleines Flüsschen zur Umkehr, also ein Stück die Straße und den nächsten Weg rechts abbiegen. Nach kurzer Zeit können die Regenutensilien in den Rucksack verpackt werden. Nach 5 km erneute Reifenpannen, erst Rolf….dann Christine. Leider hat sie den verkehrten Schlauch eingepackt. Claude hat Ersatz und wechselt mit Routine. Die Zeit bis zur Mittagsrast ist kurz, weil wir bald an einem Picknickplatz vorbeikommen den Claude für besonders geeignet hält. Tisch und Bank laden zum Sitzen ein, bei Bedarf ist auch ein Grill vorhanden.
Danach geht es richtig zur Sache. Kette links, großes Ritzel und langsam den Monti di Ala hochfahren. 14% Steigung zeigt mein Tacho an und der Weg ist steinig und uneben. Es gibt immer wieder Schiebepassagen. Die Wegbeschaffenheit wird besser und die Räder rollen leichter. Oben gibt es grandiose Ausblicke auf die unberührte Natur. Jetzt kommt der Teil, der mir am besten gefällt. Der Downhill, der uns bis kurz vor Buddoso führt. Noch einige Kilometer auf der Straße, da kann jeder sein Tempo fahren. Rechts und links der Straße sind Weinreben angebaut, ja…. der sardische Wein mundet später allen. Es blüht und grünt am Straßenrand, man kann laufend Fotos aufnehmen. Einige Kilometer außerhalb von Buddoso biegen wir links ab zum Agriturismohotel mit Swimmingpool und Pizzeria.
Meine vordere Scheibenbremse schleift etwas, (wurde schon bei der Alternative zum Wilseder Berg bemängelt) Christian ist Fachmann für Scheibenbremsen. Es wird Öl nachgefüllt, entlüftet und die Schrauben am Bremssattel nachjustiert. Unsere Zimmer haben einen Balkon, gut zum Lüften der Fahrradkleidung. Leider haben sich bei der Rückkehr ins Zimmer zwei Teile im Garten verirrt.
Das Nachtessen mit 4 Gängen ist wie immer reichlich, es kann sich keiner beklagen nicht satt geworden zu sein. Mit dem Briefing für den nächsten Tag endet der Abend.
Nuchis – Buddoso → 36 km → 958 hm → 3,16 Std. → Schnitt 10,9 km
Mit Guide Claude voran rollen wir uns Richtung Buddoso ein. Später biegen wir in einen Feldweg ab. Mit Schwung umfahren wir die teilweise großen Wasserpfützen, es muss hier ganz heftig geregnet haben. Links und rechts befinden sich mit Jahreszahlen beschriftete Korkeichen. Eine kleine Rinderherde, eben noch ruhig grasend ergreift bei unserem Anblick die Flucht nach vorne. Der Weg schlängelt sich wellig über das Gelände. Plötzlich kommt ein Kalb von rechts, will der flüchtenden Herde hinterher und wäre fast mit Thomas kollidiert. Nachdem wir das landwirtschaftliche Gelände durch mehrere Tore verlassen haben beginnt allmählich der Anstieg. Kurz vorm Pass treffen wir auf Bauarbeiten an der Naturstraße. Wir sammeln uns, um geschlossen an der Planierraupe vorbei zu schieben. Bis zum Mittag haben wir 500 hm geschafft und setzen uns zum Picknick. Zeit zum Ausruhen, Kalorien auffüllen oder wie Stefan mit der Kamera bereit stehen und jedes wichtige Detail aufnehmen.
Die Naturstraße nach Bitti führt durch ein Gefängnisgelände und ist in diesem Jahr nicht mehr zugänglich. So müssen wir auf Asphalt ausweichen. Unser Hotel liegt hoch über dem Ort, so dass noch einige Höhenmeter zu bewältigen sind. Bei über 20 Grad und Sonnenschein zieht es uns auf die Terrasse zum relaxen und die üblichen Getränke zu genießen.
Buddoso – Bitti → 39 km → 684 hm → 2,42 Std. → Schnitt 14,4/h
Am nächsten Morgen ist es kühl und wir ziehen uns warm an. Heute müssen wir die grosse Senke zwischen Oristano und Siniscola queren. Diese weite Ebene teilt die Insel wie eine Kerbe in Nord- und Südhälfte. Vom Hotel ansteigend erreichen wir eine Panorama-Höhenstrasse. Nach kurzer Zeit kommt uns eine Schafherde entgegen, die für einen Kurzstopp sorgt. Ein mit Pfützen versehener Naturweg, führt durch landwirtschaftliches Gebiet. Das übliche Tor auf, Tor zu ist zur Routine geworden. Ein steiler Anstieg führt uns zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf die Landschaft des Monte Albo. In der Informationsstätte lassen wir uns auf einen Kaffee nieder. Ein Stück weiter ist noch ein besonderer Punkt. Ein kleiner Felsen lädt zum Klettern ein, anschließend versammeln wir uns zum Gruppenfoto. Bis zur Mittagsrast geht es noch ein Stück im Gelände weiter, am Ende führt ein kleiner Trail an die Straße.
Nach der Pause noch 80 hm und dann geht es steil nach unten. Loser Schotter, rutschig, Marianne fährt zügig los, ich folge langsam und mit Abstand. Meine Bremstechnik ist nicht korrekt und so erhalte ich ein paar Schrammen als Erinnerung. Der Rest der steilen Passage schiebe ich und werde dann von Christine mit einem Wundspray versorgt. Bevor es auf der Straße weiter aufwärts geht, heißt es einen kleinen Trail mit Ginsterbüschen und Patronenhülsen (Hinterlassenschaft der Jäger) übersäht zu bewältigen. Am Ende werden noch ein Stacheldrahtzaun und ein großes Tor mit vereinten Kräften überwunden. Jetzt folgen noch etliche Höhenmeter auf dem Asphalt. Wir erreichen Dorgali und der Regen setzt ein. Claude will Christian und den Bus rufen, doch keiner nimmt das Angebot an. Oben an der Hauptstraße ziehen wir uns regenfest an. Unser Weg geht rechts ab und noch ein Stück aufwärts. Oben angekommen können wir auf Cala Gonone blicken. Auf einer alten schmalen Betonpiste fahren wir in Serpentinen hinab. Nach ein paar schmalen Gassen haben wir unser heutiges Ziel erreicht. Der Speisesaal ist gut besucht denn das L´ Oasi ist eine Turiherberge.
Bitti – Cala Gonone → 54 km → 1186 hm → 4,30 Std. → Schnitt 11,9 km/h
Am Sonntag verspricht der Blick zum Himmel nichts gutes. Es ist diesig als Christian uns aus dem Ort herausführt. Nach den Höhenmetern zu urteilen wird es eine Königsetappe. Es folgt eine kurze steinige Passage, dann ein Stück Straße und endlich das dicke Ende. Schotter mit großen Steinen, teilweise zeigt mein Tacho 18 % Steigung. Die Sicht ist begrenzt, daher gibt es von dieser Etappe nur wenige Fotos. Oben halten wir kurz an, bevor es auf einem Trail abwärts zur Straße geht. Nun kann jeder sein Tempo bis zur Mittagsrast fahren. Die ersten Tropfen fallen, bei der nächsten Gelegenheit halte ich und ziehe Regenkleidung an. Es macht keinen Spaß bei diesem Wetter unterwegs zu sein. Da ist es wie ein Geschenk des Himmels, das nach einiger Zeit Claude mit dem Bus an einer Parkbucht steht. Es sind schon einige Plätze belegt, ein Teil der Gruppe ist bis zum Rastplatz weitergefahren. Wir sammeln die teilweisen durchnässten dort auf und fahren nach Verladen der Bikes nach Villanova zum Hotel „Zia Maria“.
Die Zimmer sind kalt aber Maria hat die Heizung schon angestellt. Die Wärmequellen im Zimmer und auf dem Flur werden zum Trocknen unserer Kleidung genutzt.
Marias Küche entschädigt für das miese Wetter. Die Vorspeise ist vorzüglich und vielseitig, es hätte kein weiteren Gang folgen müssen. Mit der Kontrolle des Trocknungszustandes unserer Kleidung und dem Fönen der Schuhe endet der Tag.
Cala Gonone – Villanova → 21 km → 1015 hm → 2,41 Std. → Schnitt → 7,7 km/h
Am nächsten Morgen sah es nicht gut aus mit dem Wetter. Der Start wurde auf 10 Uhr verschoben. Man konnte die ersten 20 km mit dem Bus fahren oder gleich mit dem Bike starten. Nachdem Thomas seinen Schlauch gewechselt hat, kann er sich mit Rolf, Danja, Fritz, Paul, Martin, Claude und mir langsam auf der Straße einrollen. Als wir später rechts abbiegen kommt der „Trenino“ die alten Gleise in Sichtweite.
Wir sehen den Lago Alto di Flumendosa auf der rechten Seite. Einige Pferde und Rinder grasen am Wegesrand. An einem Aussichtspunkt biegen wir links ab, 150 hm folgen, am Ende das obligatorische Foto mit den Bikes. Es geht weiter hoch , der Belag wechselt mehrmals, auf schnellem Asphalt rollen wir abwärts, unserer ersten Pause entgegen.
Auf der anderen Straßenseite führt ein Trail uns weiter. Christian stellt sich in Position und schießt von jedem ein Foto. Claude nimmt seine erste Panne, ein Stück weiter seine zweite. Wir kommen später zu einen urigen, nassen Trail, da wird Claude mit seinem dritten Defekt zum Pannenkönig. Ein Zaun stellt sich in den Weg, Räder oben drüber, Biker unten durch ist die Devise. Nach einiger Zeit bemerke ich, dass mit dem Vorderrad etwas nicht in Ordnung ist. Die fünfte Panne des Tages habe ich, trotz Pannenband. Nachdem mein Schaden behoben ist, kann ich die Fahrt fortsetzen. Aber nur kurz, denn hinter der nächsten Biegung ist Claude bereits mit Pauls Reifen beschäftigt. Beim zweiten Verpflegungsstopp tritt Christian in Aktion und flickt die defekten Schläuche. Super Service oder!
Am Nachmittag nach weiteren Höhenmetern ist ein Teil des Weges überflutet. Einige wagen den Weg durch die Fluten, denn Regenüberschuhe sind doch ganz nützlich. Claude hat mittlerweile auf der anderen Seite des Wäldchens einen besseren Weg gefunden. Dem folgen wir bis zum höchsten Punkt wo wir einen einmaligen Ausblick auf Ulassai haben. Den letzten Defekt des Tages hat Danja bevor wir auf Asphalt unserem Ziel entgegenrollen.
Villanova – Ullassai → 62 km → 1119 hm → 4,39 Std. → Schnitt → 13,2 km/h
Nach dem Pannentag kommt der Tag der nassen Füße. Gutgelaunt starten wir unsere Tour nach Marina de Tertenia. „Hoffentlich ist das Tor aufgeschlossen, das auf unserem Weg liegt“, meint Claude. Unser Strecke ist von vielen Pfützen übersäht, Baufahrzeuge kreuzen unsere Fahrt und dann zwingt uns eine Riesenbachpfütze zum Halten. Claude probiert als erster sein Glück und findet die ideale Linie. Mit dem richtigen Gang und optimaler Trittfrequenz ist die Strecke zu schaffen, manch einer holt sich aber doch nasse Füße. Ein paar Kilometer weiter stehen wir vor besagtem Tor. Es ist verschlossen! Hundegebell und einige Stiere, halten uns von der Bezwingung des Hindernisses ab. Also umkehren und den Berg auf der anderen Seite umfahren. D. h. wieder durch die Pfütze und diesmal komme ich nicht trocken an. Der Weg ist nicht gerade eben und besagte Pfützen gibt es reichlich, zum Glück halten sich die Höhenmeter in Grenzen. Die letzten Kilometer bis zum Verpflegungsstopp legen wir auf Asphalt hin. Oberhalb der Straße erblicken wir den roten Bus, doch von Christian und seinem Bike keine Spur. Claude hat einen Schlüssel und wir bekommen unsere Lunchpakete. Keiner hat Ersatzschuhe so muss die Sonne herhalten zum trocknen. Christian kehrt wie immer gut gelaunt von seiner Erkundigungstour zurück. Auch die längste Pause hat ein Ende und wir müssen aufbrechen.
Das GPS führt uns zu einem kleinen Fluss. Keine Brücke zusehen ….ein Stück weiter gibt es eine Brücke, sagt Claude. Fünf wagemutige Radler fahren keinen Umweg, sie entledigen sich ihrer Schuhe und schieben das MTB durch die Fluten. Es sind noch 300 hm auf einer Naturstraße zu fahren. Oben angekommen haben wir einen schönen Ausblick auf das Meer. Jetzt folgt ein Downhill bis zur Straße, der folgen wir ein Stück und sehen an der rechten Seite unsere heutige Unterkunft mit Swimmingpool und Tennisplatz. Mit einem Spaziergang zum Meer und der Ersteigung eines alten Turmes (Nuraghe Anastasi) beenden einige diesen Tag.
Ulassai – Marina de Tertenia → 36 km → 377 hm → 2,47 Std. → Schnitt → 12,8 km/h
Heute ist unsere Königsetappe. Eine lange Strecke und über 1000 hm warten auf uns. Kurz nach 9 Uhr starten wir, ein Stück Straße, dann links den Trail am Meer entlang. Große und steile Steinpassagen zwingen uns immer wieder abzusteigen. Schiebe und Fahrpassagen wechseln sich ständig ab. Nur die Technikprofis bleiben auf dem Sattel sitzen. Von oben haben wir einen tollen Blick auf das Meer. Der Weg wird am Ende breiter und sandiger, bevor er hoch an die Straße führt. Ein schneller Abfahrt und etliche Kilometer Asphalt liegen vor uns bis wir an der Bar Quirra eine Erfrischungspause einlegen. Als wir in der Sonne relaxen, trifft unser Begleitbus ein. Wir füllen Wasser und Proviant nach, dann begeben wir uns zu unseren Bikes .
Die Tour geht links ab in einen Naturweg. Dieser führt uns über die Berge des Salto di Quirra. Claude fährt mit dem/r letzten Biker/in . Die vorderen Sprinter halten nicht an der Abzweigung, so dass Claude 100 hm mehr auf seiner Uhr hat. Der Rest hat eine zusätzliche Pause im Schatten. Auf unserem weiteren Weg begegnen wir einer Ziegenherde und Rindern. Nach einer rasanten Abfahrt zum Flume Flumendosa erreichen wir die Ortschaft San Vito. Am Platz vor der Kirche ruhen wir uns für den zweiten Anstieg des Tages aus. Es folgt ein langsamer Aufstieg, es wird steiler, Beton und Schotter wechseln sich ab. Ein kleiner Downhill und wieder steigt der Weg an. Der nächste Trail ist technisch anspruchsvoll und nicht ganz ungefährlich (ein Stier wird gesichtet) und endet am Fluß. Für ein Überqueren mit dem Bike ist der Wasserpegel zu hoch. Also Rad unterm Arm klemmen und durch das Wasser waten. Die letzte Abfahrt bringt uns ins Tal des Riu Ollastu und zu unserem Hotel, einer Oase in dieser einsamen Gegend (der nächste Ort ist 40 km entfernt). Christian wartet mit gekühlten Getränken auf uns, die wir uns nach dem langen Biketag verdient haben. Heute war der wärmste Tag aller Etappen und wir sitzen noch lange in der Sonne.
Marina de Tertenia – Burcei → 61 km → 1138 hm → 5,20 Std. → Schnitt → 11,5 km/h
Am letzten Tag gibt es zwei Varianten zur Wahl: um halb acht starten über einen hohen und technisch sehr anspruchsvollen Singletrail oder um zehn Uhr auf der Straße bis zum ersten Verpflegungsstopp fahren. Ich entscheide mich für den frühen Start. Doch Claude hat Bedenken (will zügig fahren) und meint es gibt heute noch genügend schöne Strecken zu fahren.
Stephan, Rolf, Christine, Paul und Hans sonnen sich auf der Terrasse. „Welcher Reifendruck wird denn für die heutige Etappe empfohlen“, fragt Stephan und Christian schmunzelt. Um zehn stehen wir mit den Bikes bereit, ein letzter Blick zum Hotel Sant`Angelo und dann los. Eigentlich können wir uns Zeit lassen bis zum Treffpunkt mit den Frühstartern. Doch Paul fährt an der Straße zügig los. Ein paar Kilometer klebe ich an seinem Hinterrad, dann lass ich ihn fahren. Nach ca. einer Stunde sehen wir links oben den roten Mountainbikereisenbus halten. Hans hat an der entscheidenden Stelle nach rechts geblickt und fährt geradeaus weiter. Er wird von Christian wieder eingesammelt.
Es wird eine ausgedehnte Pause bis die Singletrailfahrer eintreffen. Dann brechen wir zum letzten Anstieg des Sardiniencrosses auf. Es sind wieder einige steile Passagen dabei bis wir am höchsten Punkt ankommen wo Stephan von jedem eine Aufnahme mit MTB macht. Nun geht es abwärts und der Teil der Wasserüberquerungen folgt. Vorher ist der Weg auf einige Meter durch abgesägte Äste versperrt und wir zwängen uns durch das Dickicht. Danach kreuzt 8 – 10 mal ein Bach unseren Weg. Die Schiebevariante ist vorteilhafter, da werden nur die Füße nass. Beim Fahren über den mit Steinen ausgelegten Bach kann man evtl. auch baden gehen! Ein langer Downhill auf breiter Sandpiste beendet die Tour. Wir überqueren eine Straße und rollen dem Strand in Geremeas entgegen. Wir haben die Nord-Süd- Durchquerung der Insel aus eigener Kraft geschafft. Das Anbaden einiger Teilnehmer wird von Stephan im Foto festgehalten. Anschließend begeben wir uns ins Il Monastero, einem ehemaligen Kloster wo wir unseren letzten sardischen Abend verbringen.
Burcei – Geremeas → 45 km → 863 hm → 3,41 Std. → Schnitt → 12,2 km/h
Am Freitag verlassen wir gegen 10 Uhr den Süden der Insel und fahren auf der Westseite zurück in Richtung Olbia. Die Landschaft wechselt, rechts und links der Autobahn sieht man Felder und Wiesen, in der Ferne die Bergelandschaft. Am frühen Nachmittag machen wir noch einmal Rast in Porto San Paolo. Nach der gemeinsamen Einkehr in einer Pizzeria haben wir noch Gelegenheit für Souvenirkäufe und einen Spaziergang zum Meer. Dort erblicken wir einen Felsen in Form eines Dinosauriers. Gegen 18 Uhr verlassen wir den Touristenort und fahren zur Fähre in Golfo Aranci. Diesmal beschließe ich an Deck zu übernachten und suche mir einen überdachten Platz. Im Daunenschlafsack ist es zu warm und ich hole mir einen Liegestuhl. Irgendwann wird es kühler und ich verbringe den Rest der Nacht lieber im Schlafsack.
Um 6 Uhr tönt der Weckruf aus dem Lautsprecher. Ein schnelles Frühstück und dann müssen wir die Fähre verlassen.
Unsere Rückreise führt uns über Genua, dort verlässt uns Claude um seinen Urlaub anzutreten. Wir setzten die Fahrt in Richtung Bellinzona fort. Beim nächsten Halt verlässt uns Christine. Als die Verkehrsnachrichten von 10 km Stau am Gotthardtunnel berichten weicht Christian zum San Bernardino aus. „Ein kleiner Umweg, aber wir werden rechtzeitig in Thalwil eintreffen“, meint Christian. Gegen 17 Uhr erreichen wir den Bahnhof, machen unsere Räder rollfähig und besteigen den Zug.
Mein Problem beginnt nach dem Einchecken am Flughafen. Am Sperrgutschalter bemängelt der Schweizer den unverpackten Zustand des Mountainbikes. So passe es nicht auf das Durchleuchtungsrollband. Evtl. muss es von Hand gemacht werden und das dauert länger. Ich kann mich vor dem Abflug am Gate erkundigen, ob das Bike an Bord ist. Das tue ich, das MTB ist an Bord und ich kann beruhigt meinen Heimflug antreten.
Text: Elke Wieland
Fotos: Stephan Werder